Wie ich aufgehört habe, Yogastunden zu kopieren - und angefangen habe mir zu vertrauen
Herkunft der Atemtypen-Lehre
Die Lehre der
Atemtypen
geht auf Erich Wilk zurück. Im vergangenen Jahrhundert beobachtete er, dass Menschen selbst bei derselben Aufgabe völlig unterschiedlich funktionieren.
Als Musiker fiel ihm auf, dass mehrere Geiger den Bogen verschieden hielten – und dennoch einen schönen Ton erzeugten. Später bemerkte er unter extremen Bedingungen, wie unterschiedlich Menschen auf Hitze, Belastung und Stress reagierten.
Aus diesen Beobachtungen entwickelte er ein Modell menschlicher Konstitution: die Lehre der Atemtypen. Seine Nachfolger verfeinerten diesen Ansatz später mit Bewegungsübungen und Ernährungsempfehlungen.
Meine Begegnung mit den Atemtypen
Ich selbst begegnete diesem Thema im Jahr 2014 während meiner Ausbildung zur Yogalehrerin. In einer Bücherei fiel mir ein Buch von Anna Trökes in die Hände.
Darin beschrieb sie etwas, das mich sofort berührte: Warum fühlen wir uns bei manchen Yogalehrern getragen – und bei anderen eng, unwohl oder erschöpft?
Sie verband diese Erfahrung mit den Atemtypen und zeigte Asanas in zwei unterschiedlichen Ausführungen:
lunar und solar.
Das faszinierte mich. Ich begann, mich intensiv damit zu beschäftigen und das Gelernte in meinen eigenen Stunden zu beobachten.
Mein eigener Atemtyp: lunar
Mit der Zeit wurde mir klar: Ich selbst bin ein lunarer Atemtyp.
Das veränderte meinen Unterricht spürbar.
Ich muss keine komplette Stunde mehr bis ins Detail vorbereiten. Ich komme mit einer Grundidee in den Raum, mit meinem Erfahrungsschatz an Asanas und Sequenzen – und dann beginne ich zu spüren.
Wie ist die Gruppe heute?
Braucht sie Erdung? Bewegung? Ruhe? Öffnung?
Während ich anleite, entstehen oft schon die nächsten Schritte vor meinem inneren Auge. Eine Übung führt zur nächsten. Die Stunde entwickelt sich lebendig aus dem Moment heraus.
Das spart mir Vorbereitungszeit. Vor allem aber schenkt es mir Vertrauen.
Wirkung im Unterricht
Auch meine Teilnehmerinnen zeigen mir, dass dieser Weg stimmig ist. Sie sagen mir, dass sie sich individuell abgeholt fühlen, gesehen und passend begleitet. Und ich selbst gehe oft mit Freude und innerer Ruhe aus dem Raum.
Ich kenne auch das Gegenteil.
Wenn ich versuche, ein fremdes Stundenkonzept exakt nachzumachen, fühlt sich mein Unterrichten enger an. Die Stunde mag äußerlich gut sein – innerlich fehlt mir etwas. Ich gehe dann oft weniger erfüllt nach Hause.
Warum die Atemtypen im Yoga wichtig sind
Genau darin liegt für mich der Wert dieses Wissens: Es hilft uns, nicht ständig gegen die eigene Natur zu arbeiten.
Neben lunar und solar beschreibt die Atemtyp-Lehre auch Mischformen, etwa den sogenannten Erdatmer. Diese Menschen wirken oft flexibler und wechseln leichter zwischen Struktur und Intuition.
Sie brauchen das Modell manchmal weniger – profitieren aber dennoch von Selbsterkenntnis.
Kein Atemtyp ist besser als der andere
Wichtig ist: Kein Atemtyp ist besser als der andere.
Solare Yogalehrer blühen oft auf, wenn sie ihre Stunde vorbereiten, einen klaren Ablauf haben und aus dieser Struktur heraus sicher führen.
Lunare Yogalehrer blühen oft auf, wenn sie mit einem inneren Rahmen kommen und sich dann von der Gruppenenergie leiten lassen.
Beide Wege können wunderbare Yogastunden hervorbringen.
Der entscheidende Unterschied
Mein Eindruck nach vielen Jahren ist einfach:
Höre auf andere Stile zu kopieren und erkenne deinen eigenen Rhythmus - so wird das Unterrichten viel leichter.
Wenn du intuitiv führst, zwing dich nicht in starre Stundenbilder.
Wenn du Klarheit brauchst, plane ohne schlechtes Gewissen.
Ruhe durch Selbsterkenntnis
Und wenn du deinen Atemtyp kennst, entsteht oft etwas sehr Wertvolles: Ruhe.
Mehr über mein Yoga-Buch findest du hier:











